Vielredner

Es gibt so Leute, die erzählen und erzählen und erzählen

Und erzählen und erzählen und erzählen

Und bauen aber Geschichten so auf, dass man als Zuhörer keine Ahnung hat, welche von den 10 Fakten pro Minute man sich merken muss, um am Ende die langerwartete Pointe, falls denn eine daherkommt, zu verstehen. Da wird erzählt von der Imbissstube von der Tante von irgendwem, aber es kommen keinerlei Hinweise wie „das is die Tante vom..aber egal, es geht darum, dass..“, nein, solche für den aufmerksam zuhören Wollenden essentielle Hints kommen überhaupt gar nicht. Am Ende ging es dann doch nur um das Radl, das jemand, zum Glück wissen wir nicht wer, denn dann hätte der auch Zuhörkapazität verbraucht ohne in irgendeiner Weise relevant zu sein, zuvor abgestellt hat. Gottseidank war am Ende nicht die Marke des Fahrrads von Bedeutung, denn das hab ich mir nicht gemerkt. Erzählt wurde jedoch ausführlichst von der Schaltung, die es hatte, die ebenso völlig irrelevant war, und zwar nämlich für den Schlusstatbestand, dass die Frau von einem Arbeitskollegen sich Dinge, die sie findet, sofort und ohne jegliche moralische Bedenken zu eigen macht. Puuh, Glück gehabt, ich wusste nach 10 min also worum es ging, erleichtertes Ausatmen. Oft bleibt einem nämlich am Ende nichts anderes übrig als nachzufragen, oh Graus, da man sich die falschen von den 100 Fakten gemerkt hat. Und weil man nun eh schon so lang zugehört hat ohne die leiseste Ahnung zu haben worum es geht, möchte man nicht darauf verzichten den Höhepunkt der unendlichen Geschichte zu hören. Nun, die Verschnaufpause währt nur kurz, denn es folgt zugleich eine weitere Anekdote, mit demselben Ende. Ha! Geschafft! Jetzt kann man endlich was drauf sagen, endlich ist es so weit und das eigentliche Gespräch, im Sinne eines offenen Meinungsaustauschs, geht los! Man, schon vorsichtig geworden, wählt extra wenig Worte, denn wenn im Gesagten auch nur der Anflug eines anderen Themas, meist reicht 1 Stichwort, vorkäme, würde dieses sofort aufgegriffen und in einer weiteren 10minütigen Ansprache verarbeitet werden, was es in jedem Falle zu vermeiden gilt, sagt: „Wie überaus verwerflich, hast du was zu ihr gesagt?“

Die Antwort: nein.

Das ist in zweierlei Hinsicht spannend. 1. gibt es also Leute, die, wenn es angebracht wäre etwas zu sagen, die Pappen halten. Ob das dann immer auch die sind, die diese zu einem anderen Zeitpunkt gar nicht mehr zukriegen?

Zweitens legt dies die Vermutung nahe, dass tatsächlich nichts von dem Erzählten relevant war und derjenige nichts damit sagen wollte, also es niemals ein Gespräch hätte werden sollen. Nur ein Abladen, Ausschließen, Ablassen von etwas am falschen Ort zur falschen Zeit, das woanders hingehört. Oder so.