Tu felix Austria

Paul-Julien Robert: In meiner Kindheit war klar bestimmt, was spaßzumachen hatte. Surfen war größenwahnsinnig, Popmusik kleinfamiliär, Zeitschriften spießig und Fußball proletarisch. Aber Malen war irre toll. Ausdruck der entwickelten Persönlichkeit.

Ein 6jähriger wird aufgerufen, geht auf die Bühne „Schau nicht so mürrisch! Sonst schütt ich dir das Glasl ins Gesicht! Ich zähl jetzt bis 10 und dann fängst du an zu singen.“ Er weint, eine Flasche Wasser wird feierlich über seinem Kopf entleert. „Und jetzt sing!“ Er bläst 3 Töne in die Mundharmonika, heulend, wieder fließt Wasser. „Geht schon, schlafen gehen, morgen mach ma das wieder, gell? Ja! Morgen mach ma das wieder!“

Mit 16 mussten die Mädchen mit Otto Mühl schlafen und die Burschen mit seiner Frau. Zur Befreiung der Sexualität. Und manche taten es gern, weil das die einzigen Stunden waren, in denen sie sich geliebt fühlten.

Als er angeklagt wurde, verbrannte er die Tagebücher der Jugendlichen und machte Bilder mit der Asche.

Die Mütter: „Also mir gegenüber war er nicht so.“
„Das habe ich nicht gewusst.“
„Das Gefühl hatte ich nicht.“

Die Männer: „Die Menschen gingen ja in die Kommune, weil sie nicht Eltern werden wollten.“

Die, die nicht 16 wurden dort: „Also ich kann mich nicht so genau erinnern.“
„Ich hab das nicht so mitbekommen.“
„Für mich war Malen total super.“

1991 wurde Otto Mühl in Österreich wegen Kindesmissbrauchs und Verstoßes gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Das Wiener Museum für Angewandte Kunst widmete ihm seit 1998 zwei große Einzelausstellungen.

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Quelle

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Scheiß auf Kunst

StGb

Korrespondenz mit dem MAK