Korrespondenz mit dem MAK

Sehr geehrter Herr Thun-Hohenstein!

Ich wollte fragen, inwiefern Sie der Ansicht sind, dass Kunst unabhängig von jedweden Opfern oder Greueltaten des Künstlers für sich allein steht, denn die Tatsache, dass Otto Mühl ein verurteilter Kinderschänder war, Tagebücher von Kindern verbrannte und aus diesen Kunstwerke machte, hielt Sie ja nicht davon ab ihm im Jahre seiner Entlassung 2 Einzelausstellungen zu widmen.
Eintritt frei für Kinder unter 19, Kindern Bilder eines Kinderschänders zeigen, wow, tu felix Austria..
Wann widmen Sie Josef Fritzl eine Ausstellung?
Sonja Lukas
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Sehr geehrte Frau Lukas,

Danke für Ihr email. Wie Sie wissen, war diese Ausstellung lange vor meiner Zeit im MAK.

Wie Sie auf Fritzl kommen, ist für mich nicht nachvollziehbar, da ihn niemand als Künstler bezeichnen würde.

Mit besten Grüßen

Christoph Thun-Hohenstein

 

Sehr geehrter Herr Thun-Hohenstein!

Also sobald jemand als Künstler bezeichnet wird, stellt sich die Frage nicht mehr, ob er Kinderschänder ist oder nicht?
Hätte Fritzl seinen Keller als Kunstprojekt bezeichnet, wär das dann Kunst?
Darum geht es mir ja überhauptnicht, sondern darum, dass ein Kinderschänder ein gefeierter Künstler ist. Wenngleich mir einleuchtet, dass man das Privatleben eines Künstlers nicht als Grundlage für seine Beurteilung heranziehen sollte, ist es für mich absolut nicht nachvollziehbar wie Ihnen bzw der damaligen Museumsführung gleichgültig sein kann, dass jemand nicht nur rechtskräfitg, sondern auch zu Recht verurteilt wurde wegen seiner schändlichen Taten an unschuldigen Mitmenschen. Mich interessiert, wie das damals gerechtfertigt wurde bzw wieso sich damals niemand gerechtfertigt hat, denn “wegschauen” ist für mich genau das Gegenteil von Kunst. Es schockiert mich, dass damals offenbar niemand die Eier hatte zu sagen: „Da hat jemand als aktionistischer Künstler begonnen und wurde im Laufe der Zeit zum Verbrecher – das ist eine Psychosozialstudie, keine Kunst mehr.” Uva: “Das können wir den Opfern nicht antun.” Ja, vor allem letzteres. Respekt. Kunst verstört oft, sie dient dazu Wertvorstellungen und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen, ev zu zerstören, aber nicht dazu, Menschen zu zerstören. Hier geht es um Menschen. Sahen sie das nicht oder wollten sie es nicht sehen. Beides ist für mich nicht nachvollziehbar, va als Kunstliebhaber.
Ich hatte gehofft Sie könnten mir das erklären, da ich keine Kunstexpertin bin.
Danke trotzdem für Ihre Antwort. Ich werde das MAK nicht mehr besuchen, mehr kann ICH nicht tun. Sie schon.
Mit besten Grüßen,
Sonja Lukas

Sehr geehrte Frau Lukas,

Es tut mir leid, dass Sie das heutige MAK für Entscheidungen verantwortlich machen, die von einer völlig anderen Direktion in den 90er Jahren getroffen wurden.
Sollten Sie unser Programm der letzten Jahre, insbesondere auch der letzten Vienna Biennale, verfolgt haben, werden Sie wissen, dass wir jetzt einem ganz anderen Wertekanon verpflichtet sind.
Mit besten Grüßen 
Christoph Thun-Hohenstein 
Wieso distanzieren Sie sich dann nicht offiziell vom “Künstler” Otto Mühl?
Weil OM derzeit im MAK nicht zur Debatte steht und daher kein Anlass besteht.
Sie sind also nicht bereit, dazu Stellung zu nehmen?
Wäre ich damals Direktor des MAK gewesen, hätte ich diese Einzelausstellung vor dem damaligen Hintergrund nicht gemacht.